:: Nacht in Nassau (Songtext)

Ein Moment, der alles verändert.
Zwei Augenpaare, die sich anstarren.
Drei Sekunden, um zu handeln.
Vier Schritte bis zur Tür …

Wie ich dieses höhnische Lächeln auf seinem Gesicht hasse!
Nun lächelt er für immer.
Sein Blut ist noch warm. Wenigstens etwas Wärme an ihm.

Hätte ich es nicht getan, dann hätte er es getan.
So ist das nun einmal, wenn „Liebe“ endet.
Seine Brieftasche nehme ich mit. Und den Brillantring – mit dem Finger,
weil er sich einfach nicht lösen will. Weil er mal wieder nichts rausrücken will.

Jetzt nichts wie weg!

Ein Geräusch von der Tür!
Ein – Einbrecher!
Ein – Zeuge!!

Er blickt auf das Messer in meiner Hand. Macht kehrt und flieht.
Drei Schrecksekunden später setze ich ihm nach.
Er jagt in seinem Wagen davon.

„Taxi!“

Ein Zeuge zu viel …
Zwei Fahrzeuge rasen durch nächtliche Straßen.
Drei Zigaretten später: Ankunft am Flughafen.
Viermal durchatmen – und tun, was getan werden muss.
„Der will zum Flughafen“, sagt der Taxifahrer.
Ich lege einen Schein auf die Armatur:
„Vergessen Sie diese Fahrt.“


Er sieht mich an als hätte er sein Leben lang auf eine solche Situation gewartet.

Das Auto des Einbrechers steht vor dem Abflugterminal.
Ich renne in die Halle. Dann sehe ich ihn. Er geht betont langsam,
dreht sich aber häufig um.
Ich verberge mein Haar unter einem Hut und streife Lederhandschuhe über.

Er verschwindet im Waschraum.
Er fährt herum, als ich eintrete.
„Nein“, ruft er, aber mein Messer bohrt sich bereits in sein Herz.

Seinen Körper lehne ich an die Wand, ein Bein angezogen,
einen Arm und den Kopf auf dem Knie abgelegt.
Eine leere Schnapsflasche aus dem Abfalleimer vervollständigt das Stilleben.

Ich nehme seine Brieftasche.
Das Messer versenke ich im Wasserkasten des Klosetts.

Ein Oneway-Ticket nach Nassau, Bahamas.
Zwei Minuten Unaufmerksamkeit.
Drei Drinks. Ungerührt.
Vier verdächtige Fluggäste.

„Nassau“, sage ich zu der Frau am Ticketschalter.
Die Wartezeit verkürze ich mir mit einem Drink an der Bar.
Später, auf dem Weg zum Gate, eilen Sanitäter den Gang entlang.

Ich nehme meinen Sitzplatz im Flugzeug ein.
Die beiden Reisenden vor mir installieren sich umständlich.
Ich ordere einen Drink.

Dann bemerke ich den Blutfleck an meinem Ärmel.
Ich schiebe meine Tasche unter den Sitz und gehe zur Toilette.
Bei meiner Rückkehr stelle ich fest, dass meine Sachen durchsucht wurden.
Es fehlt etwas. Die beiden Reisenden in den Sitzen hinter mir stellen sich schlafend.

Ich ordere einen weiteren Drink. Wenig später landet die Maschine zum Zwischenstopp.

In Paris zerstreuen sich die Verdächtigen in alle Richtungen. Ich suche den Waschraum auf.
Als ich aufblicke, verstellt eine der Frauen aus dem Flugzeug mir den Weg.
„Ich habe Sie in Hamburg gesehen“, raunt sie und zieht den blutverschmierten Handschuh hervor.
„Der ist Ihnen doch sicherlich etwas wert!“ Ihr Lächeln ist das einer Hündin.

Ich werfe mich auf sie. Wir ringen miteinander, stürzen zu Boden.
Ich bekomme meinen Schuh zu fassen, hole aus und schlage mit aller Kraft auf ihren Schädel ein.
Mein Absatz bohrt sich in ihr Auge. Dann liegt sie still.

Ich verstecke sie in der Toilettenkabine, säubere mich und verlasse den Waschraum.

Ein neues Paar Stilettos.
Zwei Filme im Flugzeug.
Drei Schlaftabletten.
Vier Stunden unruhiger Schlaf.

Der Anschlussflug hat Verspätung.
Nicht nur zum Zeitvertreib gehe ich in einen Schuhladen.
An der Theke der Flughafenbar trinke ich ein Glas oder zwei.
Dann wird der Flug aufgerufen.

Ich sehe mir zwei Filme an, deren Handlung ich sofort vergesse.
Ich nehme drei Schlaftabletten. Ich träume wirr.

Endlich: Ankunft in Nassau, Bahamas.

In der Shirley Street kaufe ich auch Konfekt und Champagner.
Dann lasse ich mich ins Hotel chauffieren.

Ein Aufschrei des Entsetzens.
Zwei Ertappte, die Ausreden suchen.
Drei Versuche, mich umzustimmen.
Vier Schüsse aus kurzer Entfernung.

Ich eile zu unserer Suite und trete ein.
Er ist nicht allein.
Die andere schreit auf.
Er erklärt, dass die Situation nicht so sei wie es aussieht.
Ich taste nach meiner Waffe.
Er beschwört die alten Zeiten.
Ich spanne den Hahn.
Er appelliert an die Vernunft.
Ich tue das Vernünftige: Vier Schüsse aus kurzer Entfernung hinterlassen zwei Leichen.
Ich reinige die Waffe und presse den abgetrennten Finger an den Griff.

Später, am Strand, stürzen sich die Möwen auf den Finger.
Sie spielen damit, streiten sich um ihn, tragen ihn in die Luft;
dann plumpst er ins Meer.

Fort.


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